Hammer Stimmen - Zeit für eine Aussprache

Hammer Stimmen - Zeit für eine Aussprache

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[0:00] Simone: Es geht in diesem Song, wir müssen mal sagen, wie es ist, eigentlich ununterbrochen um Alkohol.

[0:05] Franz Johann: Unterm Strich, Straßenstrich. Schön.

[0:08] Simone: Wir sind hier an einer ganz großen Sache auf der Spur.

[0:10] Michael: Das ist eine Art Skandal, da müssen wir drüber reden.

[0:14] Jingle: Hammer Stimmen. Zeit für eine Aussprache. Die Stadt und ihre Menschen. Was du noch nicht wusstest, deine Ohren aber aufsaugen werden. Präsentiert für den Gaumen, abgerundet von Schürmanns Genusswelten. Deinem Experten für exzellente Weine, köstliche Spirituosen und besondere Biere.

[0:36] Simone: Herzlich willkommen zu Hammer Stimmen, der Podcast mit Menschen aus Hamm. 800 Jahre Hamm und wir stellen euch 8 Persönlichkeiten vor. Und wir, das sind genau genommen Michael Knippenkötter, Lokalchef vom Westfälischen Anzeiger.

[0:51] Michael: Ganz genau. Und an meiner Seite ist die Frau, die euch morgens aus dem Bett schüttelt. Das ist Simone Niewerth, Lippewelle Morning Woman hier in Hamm. Kennt ihr alle.

[1:00] Simone: Und wen ihr vielleicht noch nicht kennt, ist unser Gast heute, zumindest vom Namen nicht. Das ist nämlich Franz Johann. Aber wir klären gleich mal auf, wer Franz Johann ist.

[1:11] Musik: Kommen Sie mal, kommen Sie mal, kommen Sie mal nach Hamm, sehen Sie sich, sehen Sie sich unsere Stadt mal an.

[1:19] Simone: Kommen Sie mal nach Hamm, das haben Sie gesungen vor fast 50 Jahren. Franz Johann, herzlich willkommen.

[1:26] Franz Johann: Schönen guten Morgen. Hallo.

[1:28] Simone: Wenn Sie das heute so hören, was schießt Ihnen als Erstes durch den Kopf?

[1:33] Franz Johann: Auch viele, viele Gedanken, die schön weit zurückliegen. Wir waren ja früher im Kurhaus ansässig mit der HKG, Hammer Karnevalsgesellschaft, die es ja nicht mehr gibt, weil ich glaube, die sind fast alle ausgestorben, die da mal waren.

[1:50] Michael: Da ist der Spaß vorbei.

[1:54] Simone: Und „Kommen Sie mal nach Hamm" ist tatsächlich ursprünglich ein Karnevalssong.

[1:58] Franz Johann: Ja, so hat derjenige, der das geschrieben hat, wohl gedacht. Und im Grunde ist es ja ein reiner Stimmungsschlager.

[2:06] Michael: Aber warum haben Sie ihn denn gesungen?

[2:09] Franz Johann: Warum habe ich den gesungen? Wir waren zur 750-Jahr-Feier, war damals Oberbürgermeister Rinsche, und wir haben - ich war ja aktiv da im Karneval, und da haben wir so Altenkarneval-Veranstaltungen gemacht. Über die Stadt auch, und dann hat der Herr Rintsche was gehört, dass es in Hamm einige Schlager gibt, die eben von Hamm beinhaltet sind. So, und dann hieß es ja, reicht mal was ein. Ja, und dann bin ich zu diesem Herrn Hellwig, hieß der, hingefahren und hab den gefragt, mach doch, sagt der, kein Problem, reiche es ein. Ja, und dann irgendwann habe ich Bescheid gekriegt, wir fahren jetzt nach Cham, ins Studio. Ja, und dann wurde dann die Schallplatte aufgenommen. Von morgens 10 bis abends um, ich glaube, 11 Uhr waren wir da im Studio.

[3:03] Simone: Also das Lied gab es schon?

[3:05] Franz Johann: Das Lied gab es schon.

[3:06] Simone: Das haben Sie jetzt nicht komponiert?

[3:07] Franz Johann: Nein, nein, nein.

[3:08] Simone: Aber Sie haben mit dem Komponisten Theo Schreiber, glaube ich, ne?

[3:11] Franz Johann: Nein, nein, Theo Schreiber ist der hier auf der A-Seite.

[3:15] Simone: Ach stimmt, „Kommen Sie mal nach Hamm" war ja ursprünglich auch die B-Seite, ne?

[3:19] Franz Johann: Ja, das ist die B-Seite und die war angeblich absichtlich B, weil sie versprochen hat, den größeren Erfolg zu bringen. So hat man mir das mal gesagt.

[3:29] Simone: Die B-Seite sollte den größeren Erfolg bringen als die A-Seite?

[3:32] Franz Johann: So hat man mir das gesagt.

[3:34] Michael: Ich würde sagen, das hat aber auch geklappt. Die A-Seite kennen wir ja nicht. Die B-Seite ist der Knaller.

[3:38] Simone: Wir können sie auch anspielen.

[3:40] Franz Johann: Es gibt nur ein Hamm und das ist mein Hamm am Liebestrand, und wenn tausend Jahre vergehen.

[3:51] Simone: Das ist jetzt mehr so ein bisschen, ich will jetzt nicht sagen schwülstig. Das ist die Wildecker Herzbuben aus Hamm.

[3:58] Franz Johann: Liebe zur Stadt. Ich sag mal, jetzt greif ich weiter, das ist so Art wie das Neue, was man rausgebracht hat, ist in der Beziehung ja auch so ein bisschen getragen.

[4:09] Simone: Also dieses hier: Hamm, du hast die Seele von Westfalen.

[4:16] Franz Johann: Hamm, du hast das Herz vom Ruhrgebiet. Dein Gesicht ist wie ins Münsterland gemalt. Hamm, du bist schön, ein Schmuckstück im Revier. Ist ja auch so ein bisschen getragen, ne?

[4:37] Simone: Ein bisschen getragener, ne? Auf jeden Fall. Das ist jetzt was ganz anderes, das ist mehr so Hymne.

[4:43] Franz Johann: Also ich denke mal, der ASV Hamm hat das ja nicht gewählt, um die Menschen da zum Einschlafen oder zum Mitschunkeln zu bringen, sondern auf Stimmung zu bringen.

[4:53] Simone: Aber das wäre überhaupt mal die Frage für mich zumindest, denn ich bin häufig bei den Heimspielen des ASV und sing natürlich auch immer kräftig mit. Hat der ASV eigentlich gefragt? Muss man da fragen, welches Lied man da verwendet?

[5:06] Franz Johann: Der Herausgeber ist die Stadt Hamm.

[5:08] Simone: Ach, und die haben quasi die Rechte und dann -

[5:10] Franz Johann: Ja, ich habe keine Ahnung. Ich habe durch Zufall, durch Lippe-Welle, da war eine Live-Übertragung aus der Halle. Jetzt schalten wir in die Halle, aber die spielen im Moment noch, kommen Sie mal nachher. Daher weiß ich das. Sonst habe ich das noch nicht erfahren.

[5:27] Simone: Sie haben keine Dauerkarte vom ASV bekommen?

[5:30] Franz Johann: Nichts.

[5:31] Simone: Sie sind ja in einer ganz großen Sache auf der Spur.

[5:33] Michael: Das ist eine Art Skandal, da müssen wir drüber reden. Aber ich bin, das sehe ich wie du, also ich bin ab und zu beim ASV, auch nicht so oft, aber ich weiß, jedes Mal kommt dieses Lied, jedes Mal machen die Leute da auch ordentlich mit und man muss ja auch sehen, das ist ja etwas, was man dann in die Welt hinaus transportiert, denn da kommen ja auch auswärts Fans, die kommen von überall her, die hören sich dieses Lied an und die sind dann erst mal beeindruckt. Und ich habe dann direkt den Gedanken, wenn der ASV jetzt weiter so spielt und dann möglicherweise ja um den Aufstieg mitspielt, dann muss eigentlich Franz-Johann, da müssen Sie noch mal in die Halle, da müssen Sie eigentlich live performen.

[6:09] Simone: Sollen wir das mal organisieren?

[6:11] Franz Johann: Wenn es geht.

[6:12] Simone: Also Sie wären bereit und Sie sind auch noch gut bei Stimme. Würdest du es nochmal anspielen, jetzt wo wir hier gerade so kuschelig beisammensitzen?

[6:21] Franz Johann: Ja.

[6:22] Simone: Dass du nochmal, komm.

[6:23] Michael: 3, 4.

[6:25] Franz Johann: Kommen Sie mal, kommen Sie mal, kommen Sie mal nach Hamm, sehen Sie sich, sehen Sie sich unsere Stadt mal an. Warum denn immer Düsseldorf und Köln statt am Rhein? Ein jeder muss doch mal in Hamm gewesen sein. Kommen Sie mal, kommen Sie mal und bleiben Sie gleich hier. Hier trinkt man wenig Wein, doch sehr viel Bier.

[6:49] Simone: Bier. Fantastisch.

[6:50] Michael: Sehr schön.

[6:51] Franz Johann: Ja, das Bier gibt's ja nicht mehr. Ich meine, Isenbeck ist nicht so schlimm, aber das Klosterpils, das ist schade, dass es das nicht mehr gibt.

[6:58] Simone: Es geht in diesem Song, wir müssen mal sagen, wie es ist, eigentlich ununterbrochen um Alkohol.

[7:04] Franz Johann: Ja, und um den Strich, Straßenstrich.

[7:06] Michael: Ja, schön.

[7:08] Franz Johann: Schau, das kennen Sie nicht mehr, ne? Das kennen Sie nicht mehr.

[7:13] Simone: Das kenne ich nicht mehr.

[7:15] Franz Johann: Hier, ab Kanal. Am Kanale Grande promenieren nette Mägdelein. Das war früher Matthäiplatz.

[7:21] Simone: Da geht's um den Straßenstrich? Ich habe jetzt gedacht, ich habe das ganz für harmlos gehalten.

[7:26] Michael: Was wir alles aufklären heute, Simone, das kannst du dir gar nicht vorstellen.

[7:29] Simone: Das ist ja verrückt.

[7:29] Franz Johann: Alles harmlos. Aber das gab's wirklich.

[7:33] Simone: Den Straßenstrich? Ja, am Kanalufer.

[7:34] Franz Johann: Der hat sich verschoben zur Münsterstraße.

[7:39] Simone: Aber es geht schon, es geht ja darum, es werden Vergleiche gezogen zu Düsseldorf und Köln, wo ja vermehrt Wein konsumiert wird und immer wieder heißt es dann, und in Hamm, wir haben aber Brauereien, wir sind mehr so die Biertrinker.

[7:50] Franz Johann: Ja, richtig.

[7:51] Simone: Ist ja auch so.

[7:52] Franz Johann: Ja, es ist auch das Leben in Hamm. Bier, Straßenstrich, Schinken, der westfälische Schinken. Es wird ja über alles.

[8:02] Michael: Gut, den Elefanten gab es damals noch nicht. Aber wissen Sie was?

[8:05] Franz Johann: So habe ich das alle noch gar nicht gesehen.

[8:08] Simone: Wissen Sie was? Wir auch nicht.

[8:09] Michael: Aber wissen Sie, was mir aufgefallen ist? Ich habe vor ein paar Tagen die Dokumentation über Herbert Grönemeyer gesehen. Der singt auch unter anderem, also in dem Lied Bochum, wo er ja auch diesen Lokalkolorit da so drauf beschwört, da singt er auch zum Beispiel von Düsseldorf und dieser Abgrenzung. Also so wollen wir gar nicht sein und so weiter, die da auf ihrer Köh. Am Ende muss man ja sagen, dass sie später gekommen sind. Eigentlich hat er bei ihnen abgekupfert.

[8:38] Franz Johann: Möglich. Wie viel Millionen können wir rausschlagen?

[8:42] Simone: Das ist ein gutes Stichwort. Wie viel Millionen haben Sie gemacht mit „Kommen Sie mal nach Hamm"?

[8:47] Franz Johann: Wie viel Millionen? Überm oder unterm Strich? Unterm Strich.

[8:51] Simone: Also jetzt so im Plus?

[8:53] Franz Johann: Unterm Strich war null und oben auch null.

[8:55] Michael: Das ist immer wenig.

[8:56] Franz Johann: Mir hat es im Gegenteil sogar Geld gekostet.

[8:58] Simone: Warum?

[8:59] Franz Johann: Ja, weil ich die Platten weitergeben musste, Wege machen musste. Und ja, den Tag im Studio, da sind wir abends in ein Lokal gegangen, haben uns noch ein Glas Bier, haben ein bisschen was gegessen. Mussten wir alles selber bezahlen.

[9:14] Michael: Skandal, ich sag's euch.

[9:14] Franz Johann: Da ist nichts, nicht ein bisschen, auch kein Dankeschön, bis heute.

[9:20] Simone: Auch nicht mal ein Dankeschön?

[9:21] Franz Johann: Nee, bis heute noch nicht.

[9:23] Simone: Also Sie haben im Auftrag der Stadt einen ganzen Tag im Tonstudio verbracht, eingesungen, bis es fertig war. Das Lied ist schon durch die Decke gegangen, häufig. Da kommen wir vielleicht nachher noch zu. Das war ja auch weltweit dann irgendwann berühmt. Ja. Und Sie haben dafür gar nichts bekommen. Nein. Noch nicht mal eine Tasse Kaffee im Studio, haben Sie gesagt, ne?

[9:42] Franz Johann: Nein. Wie heißt das noch? Nicht mal den warmen Händedruck.

[9:46] Simone: Und noch nicht mal ein Bier. Und dabei singen Sie ununterbrochen davon. Also es ist ja -

[9:50] Franz Johann: Ja, die Brauerei hat da gefehlt, ne?

[9:52] Michael: Ja, und noch mal, Sie sind ja Botschafter dadurch, dass Sie das haben, ne? Also es gibt ja keine bessere Werbung, was Sie da gemacht haben. Sie haben es ja vorher mal erzählt, das Lied ist auch in anderen Städten aufgetaucht.

[10:03] Franz Johann: In Berlin war es in der Musikbox, in Holland in der Musikbox, das weiß ich von Holländern, weil man hat mich mal quasi nachts aus dem Bett geklingelt, da war ein Verein in Hamwesten bei Grün-Weiß zu Gast und die haben mich nachts aus dem Bett geholt, in Hamwesten in einer Gaststätte, weil sie mich unbedingt kennenlernen wollten, deshalb, weil das in Holland eben Poptkult war, hätte ich gesagt.

[10:28] Simone: Ja, die Holländer, die wissen, wie man feiert.

[10:30] Franz Johann: Das kann ich mir vorstellen.

[10:31] Michael: Die waren auch schon in Hamm auf dem Campingplatz. Vielleicht haben sie es da schon mal gehört.

[10:35] Franz Johann: Die fahren ja auch immer hierher nach Winterberg.

[10:37] Simone: Auf jeden Fall hat der ASV das ja auch schon seit vielen, vielen Jahren, also auch noch zu Erstliga-Zeiten. Du hast gerade gesagt, falls sie jetzt wieder aufsteigen, wird der Umkreis ja größer. Der war ja schon mal immens groß. Also das ist ja wirklich von Flensburg bis - ja, die sind gekommen über Berlin. Die kamen ja alle hierhin und wurden begrüßt in der Halle mit: „Kommen Sie mal nach Hamm." Ja, das sollten sie auch. Aber noch mal zurück zu damals, als Sie das aufgenommen haben, vor fast 50 Jahren. Dann sind Sie damit, kann man sagen, durch die Karnevalshallen getingelt, oder wie war das dann?

[11:10] Franz Johann: Auch ja, aber die nicht unbedingt. Das war so, dann habe ich zwei Kinder gehabt, kleine, und dann Karneval. Sehr großer Kostenfaktor, wo man ja nichts bekommt. Also in so Vereinen, man geht ja in den Verein, weil man den Verein unterstützt, und dann kann man auch keine Gelder erwarten. Ich sag mal, ich bin auch zum Teil anderswo hingefahren. Zum Beispiel, ich war ein paar Mal in Menden, bei einem großen Verein in Menden, in einer Halle mit 1000 Menschen. Wo ich hier gesungen habe und bin angekündigt worden in der Zeitung als Stimmungskanone von Westfalen. So! Was es in Hamm nicht gegeben hat.

[11:56] Michael: Und dann gab es noch nicht mal da ein Honorar?

[11:58] Franz Johann: Ja doch, da bin ich schon zufrieden.

[12:01] Michael: Sind wir doch bei der Million überm Strich.

[12:03] Franz Johann: Ja, so ganz, ganz knapp dran.

[12:05] Simone: Von einem Auftritt in Menden, ja gut, aber kommen Sie mal nach Menden.

[12:09] Michael: Aber Sie haben Ihre Kinder erwähnt. Was haben die denn dann irgendwann gesagt, als sie gemerkt haben oder gewusst haben, der Papa singt und ist ein bisschen berühmt? Fanden die das cool?

[12:18] Franz Johann: Ja klar, aber von berühmt haben wir nie gesprochen. Das habe ich jetzt zum letzten Mal. Meine Tochter hat mal gesagt: Ich habe einen berühmten Papa. Da habe ich gestaunt. Ich habe geschlackert mit den Augen. Ich sehe das alles nicht so. Ist alles normal. Man hält sich ja auch runter. Es ist ja nichts. Es kommt ja nichts. Man hört mal ja ASV Hamm, toll. Ja, und dann spricht man drüber. Und dann habe ich ja irgendwann mal in der Zeitung 800 Jahre Hamm, habe ich immer so geguckt, ich denke, jetzt musst du doch mal den Stefan anrufen. Und dann sagt er sofort, ich hätte dich sowieso angerufen, ich habe deine Telefonnummer, ich rufe dich an wegen 800 Jahre Hamm. Ich sage, deshalb habe ich dich jetzt auch angerufen.

[13:00] Michael: Kurze Erklärung: Sie meinen Stefan Gehre, der ist Redakteur bei uns und seit vielen, vielen Jahren für den Bereich Pelkum/Herringen zuständig, und Sie kennen sich. Das ist gut, ne?

[13:08] Franz Johann: Ja.

[13:09] Simone: Jetzt haben Sie immer wieder gesagt, das war alles Ehrenamt.

[13:12] Franz Johann: Ja.

[13:12] Simone: Nur für einen feuchten Händedruck, manchmal noch nicht mal das.

[13:15] Franz Johann: Manchmal noch nicht mal das.

[13:16] Simone: Das heißt, Geld ist reingekommen durch was anderes. Was sind Sie eigentlich von Beruf?

[13:19] Franz Johann: Ich habe Maler gelernt.

[13:22] Simone: Maler?

[13:22] Franz Johann: Maler gelernt, und dann war ich irgendwann auf dem Bau, Winter, keine Arbeit, oder keine Arbeit schon, aber kalt, wurde der Beruf schon mal kaltgestellt, hätte ich fast gesagt, Stempeln gehen, hat man früher gesagt. Ja, und dann bin ich nachher in Hamm-Süden bei einer Maschinenfabrik angefangen. Maschinenfabrik Rüther, gibt es auch schon lange nicht mehr. Ja, und dann irgendwann bin ich hier auf Heinrich-Ohrt gelandet.

[13:51] Simone: Richtig eingefahren, oder?

[13:53] Franz Johann: Nein, nein, ja, Wochenende mal Überstunden machen. Ich war über Tage als Handwerker und habe dann da auch als Maler gearbeitet. Dann wurde ich nachher Schreiner, weil da Leute fehlten. Habe ich dann in der Schreinerei gearbeitet. Und dann war ich nachher in der Hauptwerkstatt. Dann habe ich dann ja hier auch mal was gepinselt. Dann habe ich Schlosser-Handlanger, auf Deutsch gesagt, am Wochenende gemacht und so was. Weil über Tage hat man ja nicht das dicke Geld verdient. Und Überstunden waren dann eben, wenn man Familie hat, wichtig.

[14:25] Simone: Sie sind ja eigentlich der geborene Hausmeister.

[14:27] Michael: Der kann eigentlich alles.

[14:28] Simone: Alles.

[14:29] Michael: Wollte ich gerade sagen.

[14:29] Franz Johann: Und dann zum Schluss war ich dann Sicherheitsfachkraft in der Sicherheitsabteilung.

[14:34] Michael: Das auch noch?

[14:35] Franz Johann: Ja, das war dann der Abschluss meiner Tätigkeit. Und dann mit 53 hat man mal gesagt, ich sollte nach Hause gehen. Und da habe ich meine Koffer gepackt und bin gerannt. Aber ohne Rücklicht, damit keiner sieht, wo ich hingehe.

[14:50] Simone: Das heißt, Sie sind jetzt seit einem Vierteljahrhundert auch schon im wohlverdienten Ruhestand?

[14:54] Franz Johann: Ja.

[14:55] Simone: Wow. Hat man aber auch viel richtig gemacht eigentlich, oder?

[14:58] Franz Johann: Ja, denke ich mal.

[14:59] Michael: Sie sind aber grundsätzlich schon ein Kind der Stadt, oder? Sie sind auch hier geboren?

[15:04] Franz Johann: Ich bin gebürtiger Bockumhöveler, da wo ich jetzt wieder bin.

[15:08] Michael: Ach, sehen Sie, am Ende wieder zurück sozusagen.

[15:10] Simone: Zwischenzeitlich aber Hamm am Westen, Wischerhöfen.

[15:13] Franz Johann: Ja, ich bin von Bockumhövel nach Hamm am Westen, dann zur Veitigstraße und dann von der Veitigstraße nach Wischerhöfen, Wischerhöfen nach Salle, und jetzt nach hier, und hier machen wir Schluss.

[15:29] Michael: Sie sagen das so. Aber dann kennen Sie die Stadt ja richtig, richtig gut. Warum sind Sie geblieben? Was schätzen Sie an der Stadt?

[15:38] Franz Johann: Ja, die Stadt hat mir meine Heimat gebracht. Was soll man daraus sagen? Ich habe mein Leben hier verbracht, meine Frau damals hier kennengelernt, die leider zu früh gestorben ist, und ja, wie gesagt, berufsmäßig angekommen, die Kinder gekriegt. Ich nicht, die Frau. Und ja, meine Tochter wohnt noch hier, mein Sohn wohnt in Steinfurt. Und dann war ich früher im Kanuverein in Heringen. Das ist eigentlich meine Jugendzeit.

[16:11] Simone: Kanu gefahren?

[16:11] Franz Johann: Kanu, ja, ziemlich aktiv. Habe sogar dann Schülertrainer gemacht, paar Jahre.

[16:18] Simone: Also das geborene Ehrenamt, jetzt auch noch Sporttrainer gewesen.

[16:23] Franz Johann: Kommt ja auch nicht von ungefähr. Ja, ist alles Ehrenamt. Da gibt es nirgendwo was. Aber man macht es auch gerne. Wenn aber ans Hinten vielleicht ab und zu mal so: Ach, das ist schön, dass du das gemacht hast. Dankeschön.

[16:35] Michael: Das ist auch wichtig.

[16:36] Simone: Das gibt es ja.

[16:37] Franz Johann: Das ist das Wichtigste. Das ist zum Beispiel beim Karneval, kriegt man nichts, aber einen Orden. Ja, da steht man, jeder sagt dann, jetzt krieg ich da einen Orden, da kommt noch so ein hübsches Mädchen, gibt einem noch ein Küsschen auf die Wange. Ja, oder dann montags morgens in der Zeitung, da stehe ich da, bin am Singen und hier links und rechts 4 junge Mädchen, Beine hoch.

[17:04] Simone: Mit Geld nicht zu bezahlen, sind wir mal ganz ehrlich.

[17:06] Franz Johann: Ja, das ist alles nicht. Das macht man ja. Wenn ich überlege, was wir im Kurhaus - ich bin ja nicht nur aufgetreten, wir haben ja auch den Saal vorbereitet, die Dekoration gemacht. Meine Frau hat sogar Dekobilder gemalt für die Bühne und was nicht alles. Das war schon ein Erlebnis und schön. Kann man nicht anders sagen.

[17:29] Simone: Also Sie waren auch mit anderen Songs im Karneval unterwegs.

[17:33] Franz Johann: Ja, selbstverständlich. Einfach als Vorbereitung. Ja, ja, klar. Stimmung.

[17:36] Simone: Und haben aber dann irgendwann beschlossen, Sie sagten, als die Kinder klein waren und voll im Beruf, das wird mir jetzt zu viel.

[17:43] Franz Johann: Das ging nicht mehr. Vor allen Dingen finanziell und die Zeit. Man ist ja jedes Wochenende weg. Wenn man nicht in Hamm war, war man wie gesagt in Menden oder mal da, mal da.

[17:54] Simone: Aber ist zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich, dass so ein Mann sagt: Ich bürde das meiner Frau nicht alleine auf, ich bleib jetzt auch mal am Wochenende zu Hause?

[18:02] Franz Johann: Ja, die ist auch mit aufgetreten.

[18:03] Simone: Ach so, und die Kinder?

[18:06] Franz Johann: Ja, die waren dann zu Hause. Dann hier meine Nichte, die kam dann schon mal, hat dann, wie sagt man, Babysitter so ähnlich gespielt.

[18:15] Simone: Hat Ihnen das dann nachher gefehlt, die Bühne, der Applaus?

[18:19] Franz Johann: Ja klar, das ist irgendwo, vor allen Dingen wird man ja auch angesprochen. Ich habe heute noch Bekannte, wenn ich die auf der Straße treffe, dann fängt der von Weitem an schon zu singen: „Kommen Sie mal nach Hamm."

[18:39] Michael: Oder hat sich die Gelegenheit dann nicht mehr geboten?

[18:42] Franz Johann: Eigentlich nicht. Da war der Verein, glaube ich, auch schon weg. Und dann in andere Vereine, man kannte sich nicht. Man hat zwar irgendwann, habe ich mal gehört, warum haben die den gekriegt? Den wollten wir doch haben. Aber es war einfach alles ruhig. Stefan Gehre hat ja auch mal gefragt nach dem Bericht 40 Jahre, ob sich mal jemand gemeldet hat. Hat sich keiner gemeldet.

[19:08] Simone: Heute hat die Stadt, glaube ich, draus gelernt. Die hat ja einmal im Jahr, lädt die Ehrenamtler ein und bewirtet die und sagt einfach mal Dankeschön.

[19:15] Franz Johann: Ja, ist doch schön.

[19:16] Simone: Hätten Sie sich damals wahrscheinlich auch gewünscht.

[19:18] Franz Johann: Ja, da habe ich noch nichts von gehört. Das ist was Neues, was ich jetzt höre.

[19:22] Michael: Wie sehen Sie das denn jetzt mit 800 Jahre Hamm? Ist das nicht eine Gelegenheit, also wo Sie auch noch mal auf die Bühne gehen könnten?

[19:29] Franz Johann: Ach, nicht unbedingt. Dadurch, dass ich durch meine Knie rollatorgebunden und hier mit meiner Herz-OP, wenn ich ein bisschen anstrengend bin, dann wird das schon ein bisschen schwieriger.

[19:42] Simone: Das Video hat immer noch ganz viele Aufrufe auf YouTube. Ist Ihnen das überhaupt bewusst?

[19:46] Franz Johann: Ich krieg das nicht. Ich komm da nicht dran. Wir haben's schon ausprobiert.

[19:50] Simone: Auf YouTube kommt jeder dran.

[19:51] Franz Johann: Ja?

[19:52] Simone: Joa.

[19:52] Franz Johann: Warte mal.

[19:53] Simone: Können wir gleich mal machen. Ich hab's ja gedreht. Sie haben YouTube gelöscht, meine Güte.

[19:59] Franz Johann: Also, ich seh mich ja so jeden Tag, da fehlt das auch noch. Ich weiß gar nicht, wer das mal reingesetzt hat.

[20:07] Simone: Auch so eine Frage, ne?

[20:08] Michael: Das weiß man ja immer.

[20:10] Franz Johann: Keine Ahnung.

[20:10] Simone: Irgendwer muss es mal reingesetzt haben.

[20:11] Franz Johann: Irgendeiner muss es gemacht haben. Da waren mehrere Stellen, wo das drin war, und da war glaube ich mal eins, da waren fast 30.000, wie sagt man, Anklicker. Oder wie sagt man dazu?

[20:23] Simone: Klicks, ja.

[20:24] Franz Johann: Um die 30.000, und dann war wieder eine andere Stelle, da waren über 8.000 oder 9.000. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, wie das dahin gekommen ist, keine Ahnung.

[20:34] Simone: Aber es gibt nicht andere Songs von Ihnen, die auch veröffentlicht wurden, ne? Nein, also. Das nicht, das ist das Einzige. Und das war einfach nur, weil Sie damals gesagt haben, die Stadt sucht irgendwie wen, der ein Lied einreicht zum Jubiläum?

[20:46] Franz Johann: Dr. Rintsche, der hat das mal angeregt. Da gibt doch so viel, lass uns doch mal eine Schallplatte machen. Und dann habe ich irgendwann den Anruf gekriegt, wir fahren jetzt nach Kamen, das war doch, wie hieß der, Hermes?

[21:00] Simone: In das Studio?

[21:01] Franz Johann: Ja, gibt's, haben die heute noch? Das ist eine gute Frage, das wissen nur die Experten von der Lippstadt.

[21:07] Simone: Das müssten wir mal googeln, wenn wir das nicht auch gelöscht haben, da bin ich mir nicht sicher. Auf der Ursprungsversion auf jeden Fall, hier das, was wir hier haben, dieses Cover, ein Kollege hat es tatsächlich neulich auf dem Flohmarkt für 5 Euro erstanden. „Kommen Sie mal nach Hamm", die B-Seite, und „Es gibt nur ein Hamm", die A-Seite. Da steht Ascona mit drauf. Da haben Sie direkt gesagt, das ist aber nicht das Original.

[21:28] Franz Johann: Die allererste Ausführung war, haben sie die Ascona vergessen, und da hat man so einen gelben Aufkleber gedruckt und hat den anschließend da draufgeklebt.

[21:37] Simone: Auf jedes Cover die Ascona drauf. Das waren die Band damals.

[21:41] Franz Johann: Die kamen aus Aachen, die waren gut, junge Burschen. War interessant.

[21:45] Michael: Und wie war das im Studio? Ich meine, Sie waren ja nun mal kein Profi. Dann stehen Sie da und die ganzen Mikros und Knöpfe.

[21:50] Franz Johann: Ja, war nicht ganz so einfach. Das war schon ein bisschen aufregend und dann war ja auch zeitig. Wer singt schon morgens um 10 oder so?

[21:58] Michael: Meistens hatten Sie wahrscheinlich schon ein Bierchen getrunken, bevor Sie das Lied angestimmt haben.

[22:01] Franz Johann: Nein, nein, nein, nein. Abends beim Karneval.

[22:03] Michael: Ja, das meine ich.

[22:04] Franz Johann: Nein, nicht unbedingt. Ja, beim Feiern klar, hinterher oder mal, aber so groß, das ist nicht. Man muss ja sich konzentrieren. Darauf. Und es gibt da manchmal so Dinge. Mir ist das passiert, da singe ich und leg mein Herz mit daran. Ich habe mal in einer AWO-Veranstaltung gesungen: Heile, heile Gänzchen. Da habe ich mich so reingehangen und auf einmal Feierabend.

[23:09] Michael: Kamen die Tränen oder was?

[23:10] Franz Johann: Nee, da war Schluss. Ich habe nichts mehr gewusst.

[23:13] Simone: Ach, Text vergessen?

[23:14] Franz Johann: Ja, so ähnlich. Und dann hatte ich so einen Pupp und dann war es wieder gut. Es ging dann wieder, weil das ist ja ein Lied, wenn man das nicht, ich sag mal, vorträgt mit Herz, dann brauchen Sie es gar nicht erst zu singen. Ja, das sind so Dinge, wo junge Leute heute sagen: Meine Güte, muss das sein?

[22:57] Simone: Vielleicht eine Hamm-Hymne haben wir ja auch noch, die zwischen der jetzigen und zwischen Ihrer war. Ist Ihnen wahrscheinlich auch ein Begriff, ne?

[23:10] Franz Johann: Wie tam. Wer ist das? Das ist Obel. Obel, ja, der hat - Stefan Gehre hat mir erzählt, der wollte unbedingt meine Telefonnummer haben.

[23:20] Simone: Ach, der Obel?

[23:20] Franz Johann: Ja.

[23:21] Michael: Wollte er sich einen guten Rat abholen, oder was?

[23:23] Franz Johann: Keine Ahnung, weiß ich nicht.

[23:24] Michael: Wie findet er denn das Lied?

[23:25] Franz Johann: Ja, das ist doch nicht schlecht. Ist gut? Ja, ich sag mal so, ist Geschmackssache. Das hier von Theo Schreiber kann ich auch gut mitsingen. Und das Sweet Home kann man auch gut mitsingen. Aber dieses Neue, weiß ich nicht, ob ich mich damit anfreunden könnte. Wie gesagt, ist alles Geschmackssache.

[23:46] Simone: Wir haben halt mehrere Hymnen zur Auswahl. Kann sich ja jeder die aussuchen, die ihm am besten gefällt. Man muss aber sagen, Ham Sweet Ham ist in der Warteschleife der Stadt gelandet. Wenn man da anruft, dann läuft Ham Sweet Ham. Und „Kommse ma nach Ham" wird abgetanzt beim ASV. Ist jetzt die Frage, was besser ist.

[24:02] Franz Johann: Da ist ja schon mal was. Der ASV kriegt mehr Zuschauer. So, oder breiter verteilt.

[24:08] Simone: Man verbindet auf jeden Fall positive Sachen damit, zumal wenn sie auch noch gewinnen.

[24:12] Franz Johann: Ja, da gehen wir von aus, sonst können sie ja nicht aufsteigen. Ja, das wäre ja nur, wenn sie in die erste Bundesliga aufsteigen können, mal wieder erst mal in die zweite, erst mal in die zweite. Ja, dann müssen sie. Es ist ja alles heute riesig mit Finanzen verbunden. Und da muss ja was hinterstehen.

[24:30] Simone: Woher kannten Sie das Lied eigentlich? Das gab es ja schon, als Sie damals beschlossen haben: Yo, ich melde mich hier für dieses Jubiläumslied, ich würde das einsingen. Woher kannten Sie das?

[24:41] Franz Johann: Weiß ich auch nicht mehr. Das kann ich Ihnen nicht sagen. Irgendwie gehört. Das habe ich mal irgendwo gehört. Aber wie oder was? Jetzt fragen Sie mich was, jetzt bin ich selbst erstaunt. Jetzt weiß ich wirklich nicht mehr.

[24:51] Simone: Aber Sie sind auch nicht bekannt mit diesem, mit dem Komponisten?

[24:55] Franz Johann: Oh, der ist schon lange tot.

[24:56] Simone: Aber den kannten Sie persönlich?

[24:57] Franz Johann: Ja, also nicht richtig gut, aber der hat auch Musik gemacht früher. Der hat hier in Bockumhövel gewohnt.

[25:04] Simone: Ja gut, dass Ihnen das eingefallen ist, dass es diesen Song gibt.

[25:07] Franz Johann: Ja, würde ich so sagen. Wenn die Stadt Hameln das auch noch erfährt.

[25:14] Simone: Das lässt Sie doch nicht los, da müssen wir noch mal ein bisschen drauf pochen.

[25:17] Franz Johann: Ja, sagen Sie mal, jetzt sind Sie doch mal ehrlich, mit fast 50 Jahren, über das, was wir gesprochen haben. Ich hätte beinahe gesagt, es ist doch traurig, dass es so ist. Es geht viel in viele Richtungen, kennt jeder, nur die Stadt Hamm weiß es nicht. Oder siehst offiziell über Dr. Vier - ich weiß nicht, steht das nicht sogar hier drauf?

[25:37] Simone: Ja, steht oben.

[25:38] Franz Johann: Der Oberstadtdirektor. Ja, hier. Ja, der Name nicht, aber er war damals Oberstadtdirektor. Das weiß ich zufällig.

[25:46] Michael: Na ja, Fakt ist ja, ob die Stadt sich kümmert oder nicht, aus dem Rathaus heraus, Sie haben ja jetzt mit dieser Platte oder mit dem Lied, was Sie da gesungen haben, Ihren festen Platz in der Hammerstadt-Geschichte. Das muss man so sehen.

[25:59] Franz Johann: Wenn es so ist.

[26:01] Michael: Sie sind auch einfach sehr bescheiden, oder?

[26:03] Franz Johann: Ja, sicher.

[26:04] Michael: Was sind Sie? Sie sind ein ehrlicher Hammer, ein ehrlicher Ruhrgebiets-Typ.

[26:09] Franz Johann: Ja, vielleicht ein bisschen sogar zu ehrlich manchmal, weil ich sage auch mal ganz gerne das, was mir nicht passt.

[26:16] Simone: Ja, aber das ist doch gut so. Das ist ja eigentlich so das, was viele so für den typischen Ruhrpottler halten. Ehrlich, das Herz am rechten Fleck, die Wahrheit auf der Zunge, nicht hintenrum.

[26:26] Franz Johann: Richtig.

[26:27] Simone: Also wenn der was sagt, dann meint er das auch so.

[26:29] Franz Johann: Ja, mache ich auch. Und wenn mir aber einer wat will, kann ich mich auch wehren. Ich habe die Tage hier im Hause, da meinte doch eine, ich sollte doch mal sehen, dass ich meinen Bauch wieder loswerde. Da habe ich gesagt, dat is mein Bauch. Dat ging ja wohl keinem was an.

[27:05] Michael: Also lange daran gearbeitet, würde ich sagen.

[27:06] Franz Johann: Es war das. Ja, ist ja auch kein Bauch, da ist ein Kompressor.

[27:11] Michael: So, da kommt die Stimme ja auch her.

[27:13] Franz Johann: Dann auch der Bauchstimme gibt's auch.

[27:16] Simone: Aber das war ein Mann, oder? Wer das?

[27:18] Franz Johann: Das war eine Frau.

[27:19] Simone: Nein, ernsthaft? Ich wollte gerade sagen, so was sagen nur Männer untereinander. Es würde keine Frau zu einer anderen sagen.

[27:26] Franz Johann: Ich fand das aber ganz schön unverschämt. Ja, ist wahr. Was geht das an? Ich habe ja auch gesagt, ich sage ja auch zu keiner: Wird mal Zeit, dass du zum Friseur gehst. Ja, na, es hat alles Grenzen. Ja, ich erhebe auch still meine Stimme. Und dann hat die Person auch das gemerkt. Die sagt auch jetzt nichts mehr. Das soll ja auch so sein.

[27:29] Michael: Das liegt dann auch wieder an der Klangart der Stimme. Die ist ja einfach sehr prägnant.

[27:33] Franz Johann: Ja, ich habe sowieso ein bisschen... Deshalb kann ich auch ein bisschen lauter singen.

[27:38] Michael: Aber ganz ehrlich, Sie - wie alt waren Sie damals, als Sie das zum ersten Mal gesungen haben?

[27:45] Franz Johann: 27, glaube ich so.

[27:47] Michael: Tatsächlich, oder? Sie wären heute -

[27:49] Franz Johann: Sollen wir mal ausrechnen?

[27:51] Michael: Das kann ich nicht, ich bin bei der Zeitung, sind Sie verrückt?

[27:54] Simone: Ich bin beim Radio, ich schummel dreimal nicht.

[27:57] Franz Johann: Ah ja, ich noch weniger, ich bin Rentner.

[27:59] Michael: Sagen wir 27, 30, so irgendwas um den Dreh. Wenn das heute so wäre, Sie wären Ballermann-Star. Sie werden auf Malle gefeiert. Wissen Sie das eigentlich? Wenn das alles ein paar Jahrzehnte später gekommen wäre, dann wären Sie jetzt hier so ein Malle-Star.

[28:17] Franz Johann: Wenn ich mir das so angucke, wie heißt der noch? Schenk mir ein Foto. Wie heißt der noch?

[28:21] Simone: Ja, hier.

[28:22] Michael: Mickie Krause.

[28:23] Simone: Mickie Krause. Ja, so könnte ich mich auch da hinstellen und Tim Toupet und wie die alle heißen. Peter Wackel.

[28:29] Franz Johann: Ist ja alles Quatsch. Blödsinn, was die da singen.

[28:31] Simone: Ja sicher.

[28:31] Franz Johann: Die singen 25 Mal immer den gleichen Satz hintereinander.

[28:36] Michael: Das sind Kinderlieder teilweise.

[28:37] Franz Johann: Ja, ja, ist aber Stimmung. Und der Mensch braucht das, der hört das auch und dann singen sie schon mit.

[28:44] Michael: Aber wäre das Ihr Ding gewesen? Hätten Sie sich, würden Sie sich am Ballermann hinstellen? Nee.

[28:47] Franz Johann: Aber das hätte doch was gebracht.

[28:48] Simone: Das hätte richtig Geld gebracht.

[28:49] Franz Johann: Das hätte Geld gebracht, ja, da ist aber vieles andere mit verbunden. Und wenn man verheiratet ist, geht das schnell von da in so eine Richtung. Und das ist nicht gut. Ehrlichkeit ist immer wichtig.

[29:04] Simone: Da wären noch mehr Mädchen am Canale Grande gewesen.

[29:08] Franz Johann: Wenn ja jeder mal, der jetzt, wo Sie von sprechen, von diesen Leuten mal ehrlich wäre und würde mal aufschreiben, was er alle in der Beziehung nebenher alles so erlebt hat, dann würde ganz schön was knallen. Ganz schön, denke ich mal.

[29:23] Simone: Und das ist es dann nicht wert, ne?

[29:25] Franz Johann: Nö. Das ist nicht wert. Dann hat man Familie, man hat ja irgendwas sich vorgenommen und das ist doch viel, viel wichtiger. Sicher, Geld beruhigt, aber wenn man zu viel hat, kriegt's ja wieder einen in den Kopf. Da fangen sie an, Alkohol, Drogen und dann steht drin, Elvis Presley ist mit 43 oder wie alt er war gestorben oder hier der Michael Jackson oder so. Ja, was ist das? Ist das ein Leben oder gar nicht mehr zu Hause? Immer nur auf Achse.

[29:55] Michael: Das heißt, man kann ja jetzt - Sie sind jetzt 79, 78? 79. Ich weiß es nicht, aber ich denke, man blickt so langsam vielleicht ja auch zurück auf das, was man so gemacht hat, geschafft hat, erlebt hat, erreicht hat. Ich höre raus, Sie sind eigentlich grundsätzlich erst mal zufrieden, oder?

[30:11] Franz Johann: Ja, kann man nicht sagen. Vor allen Dingen habe ich ja jetzt vor mittlerweile 18 Jahren meinen Schatz kennengelernt.

[30:19] Simone: 19.

[30:19] Franz Johann: Oder 19.

[30:21] Simone: Gib direkt einen drauf.

[30:22] Franz Johann: Und man hat uns gesagt, das wird nichts.

[30:25] Michael: Aber mit Ihrer Musik haben Sie sie überzeugt, oder?

[30:27] Franz Johann: Da glaube ich nicht, dass es der Ausschlaggebende war.

[30:30] Simone: Also Sie würden es rückblickend alles wieder genauso machen?

[30:34] Franz Johann: Ja, sicher. Warum? Das ist doch erst mal, wenn ich überlege, die Jugendzeit, Kanuverein, wie interessant das war. Ich habe, wie gesagt, Maler gelernt und da gearbeitet. Und dann, wenn ich nach Hause kam, umziehen, in Bad Essen ab Training. Meine Mutter hat immer gesagt: Du gehst immer nur zum Sport, du könntest doch nebenbei ein bisschen Geld verdienen. Habe ich gar nicht hingehört. Das war doch viel wichtiger. Arbeiten kann man das ganze Leben lang noch, aber doch nicht in der Jugendzeit sich die Beine zerstrampeln und machen. Der Sport, das war erst mal Kanusport, viel Gemeinschaft, Freundschaft, Kollegialität. Wir haben manchmal auch so Wanderfahrten gemacht auf Ruhr. Oder auf der Möhne kommt man irgendwo hin, da ist ein Bootshaus, da ist was. Ach, kommt mal her, setzt euch hier hin. Ihr könnt dann noch ein Würstchen mitessen. Und da wurde zusammen abends am Lagerfeuer gesungen. Ja, das sind so Dinge, die einen prägen, und das ist doch viel, viel mehr wert, wie sich die Beine auszureißen für vielleicht für 100 Euro oder damals D-Mark.

[32:02] Simone: Absolut. Das schult fürs Leben. Auch die Sachen Gewinnen, Verlieren zu lernen, auch mit Niederlagen umzugehen im Sport, das schult ja auch fürs Leben.

[32:10] Michael: Haben Sie auch was für Fußball übergabt?

[32:12] Franz Johann: Ich habe ganz früher auch mal Fußball gespielt. Früher war Gelb-Blau Bockumhövel.

[32:17] Michael: Gelb-Blau Bockumhövel.

[32:18] Franz Johann: Kennen Sie gar nicht. Heute heißt das SG.

[32:20] Michael: Ja, na klar, die Spielgemeinschaft. Früher gab es ja Westfalia, die haben ja jetzt die 100 Jahre.

[32:24] Franz Johann: Und dann gab es Arminia Bockumhövel und Gelb-Blau Bockumhövel.

[32:29] Michael: Und da haben Sie auch noch mitgezockt, oder?

[32:31] Franz Johann: Ja, in der Schülermannschaft. Und dann habe ich mal ein Spiel gemacht, da hat man mich ausgeschrieben. Ich hätte andere nur in die Knochen getreten, haben sie gesagt.

[32:37] Michael: Und sie hatten recht, oder?

[32:39] Franz Johann: Weiß ich nicht, kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Da war noch ein Sportplatz an der Petfeler Straße, Ecke Garners Straße. Da stand auch gegenüber noch ein Lokal. Da haben wir uns umgezogen über die Straße und da war ein Sportplatz. Zum Bolzplatz oder was haben die da gemacht jetzt?

[32:38] Michael: Meine zentrale Frage wäre jetzt nur gewesen, ob Dortmund oder Schalke.

[32:43] Franz Johann: Ja, waren wir.

[32:44] Simone: Gucken Dortmund, da sind wir alle drei uns doch. Gott sei Dank.

[32:48] Franz Johann: Aber ich habe immer gesagt, wie kann man hier wohnen und für Bayern sein? Das kann doch nicht sein.

[32:53] Simone: Völlig unverständlich. Ja, wie kann man überhaupt für Bayern sein?

[32:55] Franz Johann: Das auch.

[32:56] Simone: Egal, dazu machen wir einen eigenen Podcast. Sagen Sie Johann, wir bedanken uns ganz, ganz herzlich, dass wir hier bei Ihnen sein durften.

[33:04] Michael: Aber wir haben noch eine Frage zum Schluss. Ja, wir sind ja hier im 800-Jahr-Podcast sozusagen. Es geht um die Stadt Hamm, und da ist eine Frage letztlich: Mit welchen 3 Worten würden Sie die Stadt Hamm, Ihre Heimat, beschreiben?

[33:21] Franz Johann: Die Stadt Hamm beschreiben? Ja, erstmal, ich sag mal so, die gesamt Stadt, sagt man ja immer: Hamm ist ein Dorf. Und ich sage immer: Seid doch froh, dass Hamm ein Dorf ist. Weil ich sag, fahr mal nach Dortmund, wie heißt das, Westenhellweg. Geh mal da am Westenhellweg lang, dann hast du schon für 2 Jahre genug. Ja, so sehe ich das. Da kriegt man Angst, wenn man das sieht. Und in Hamm kannst du hergehen, ich meine, hier gibt's ja genug Schlaglöcher. Vor allen Dingen in Bockumhövel. In Bockumhövel, ich hab schon mal gesagt, wenn die mit dem Auto fahren und es macht immer so, sind wir in Bockumhövel wieder.

[34:00] Simone: Also wir halten fest, Ihre drei Worte wären Dorf, Schlaglöcher, Bockumhövel.

[34:07] Franz Johann: Ja gut, ja ist so.

[34:09] Simone: Franz-Johann, der Sänger von „Kommse ma nach Hamm", wir wünschen Ihnen alles, alles Gute, vor allen Dingen Gesundheit für die Tests, die noch anstehen. Wir versprechen jetzt einfach mal, wir werden uns zumindest dafür einsetzen, dass es noch mal einen Live-Auftritt gibt, oder?

[34:26] Michael: Ja, wir werden diesen Podcast so laut abspielen, dass niemand darum herumkommt, oder?

[34:31] Simone: So nämlich.

[34:33] Jingle: Das waren Hammerstimmen, der Podcast aus unserer Stadt. Wenn dir die Folge gefallen hat, teile sie gern weiter und bleib dran, es warten noch viele spannende Menschen und Geschichten auf dich. Präsentiert und für den Gaumen abgerundet von Schürmanns Genusswelten, deinem Experten für exzellente Weine, köstliche Spirituosen und besondere Biere.

Transkript erstellt mit Audrey Audio | Hammer Stimmen - 800 Jahre Hamm